Schlagfertigkeit - "Hätte ich das mal gesagt!" Neuer Ansatz

Schlagfertigkeit – “Hätte ich das mal gesagt!”

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Schlagfertigkeit – “Hätte ich das mal gesagt!”

Schlagfertigkeit mit 5 Minuten Nachdenken

Viele unserer Coaching Teilnehmer sind klassische Nachdenker.

Für viele scheint das negativ behaftet zu sein, doch das Nachdenken ist eine große Stärke.

So kommt es, dass Menschen, die viel über sich und die Welt nachdenken eine tiefe Ebene an Substanz in ihren Aussagen haben. Was gesagt wird hat oft eine tiefe oder besondere Bedeutung oder Qualität.

schlagfertigkeit

Diese Form der Tiefe scheint dem Nachdenker ein Hindernis zu sein.

Weil er sieht, wie leicht andere Menschen in Gruppen locker und leicht ihre Gespräche führen können. Diese Anderen scheinen immer einen witzigen Spruch auf den Lippen zu haben und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

Während der Nachdenker selber es lieber hat, wenn Dialoge durchdacht sind und er sich nicht durch Small-Talk ablenken lässt.

Im einem Gespräch wägt der Nachdenkende immer ab, was der Hintergrund einer Aussage ist, ob sie auch korrekt ist und wie wichtig diese für ihn ist.

Sprich: Oberflächliches Gerede oder Tratsch sind nichts für ihn und von Schlagfertigkeit ist damit keine Spur.

Diese Mechanismen können ihn aber auch vermeintlich hindern. Zum Beispiel wenn es darum geht schnell und witzig zu kontern. Der Nachdenker ist in diesen Kommunikationssituationen oft zu langsam, da ihm zum Aufbau der benötigten Tiefe einfach die Zeit fehlt.

Ganz besonders ist das der Fall, wenn schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen, er sich in einer hitzigen Diskussion befindet.

Oder wenn es darum geht Schlagfertig zu sein.

Wir alle kennen das:

Jemand macht eine beleidigende Bemerkung über uns oder wir finden uns plötzlich in einer komplett ungewohnten Situation wieder. Unser Hirn schaltet auf Autopilot und navigiert uns mit Hilfe von Gewohnheiten aus dieser Situation heraus, um den Stresspegel wieder zu senken.

ich sage meistens ja, wenn ich was nicht versteh’

und schlagfertig und clever bin ich erst wenn ich nach hause geh’

Sportfreunde Stiller – Ungewöhnlich

Wenn dann im Hirn wieder Ruhe eingekehrt ist und der Nachdenker nachdenken kann, kommen uns immer emotional geladene Reaktionen, was wir hätten sagen und tun können. Und nächstes Mal machen wir es dann besser

Wir ärgern uns über uns selbst, weil wir glauben, andere nehmen uns als passiv und unreaktiv wahr. Vielleicht sogar als dumm, weil wir diese oder jene Aussage nicht verstanden haben, dabei liegt es einfach nur daran, dass wir eine längere Leitung haben.

Ich selber zähle mich auch zu den Nachdenkern und auch ich hatte immer wieder damit zu kämpfen, dass ich hier und da nicht schlagfertig genug war. Lange habe ich mich damit beschäftigt, wie ich doch schlagfertiger werden kann, damit ich auch immer einen witzigen Spruch auf den Lippen habe, mit dem ich kontern kann. Bis mir auch diese längere Leitung bewusst geworden ist.

Das ist keinesfalls negativ gemeint. Diese längere Leitung existiert sogar physisch in unserem Hirn. Die Nervenbahnen sind länger, da das Gehirn des Nachdenkers stets Inhalte und Aussagen auf ihren Wert prüft. Und das benötigt Zeit.

Eine lockere und schlagfertige Antwort ist bei sowas einfach nicht drin, da sich das Nachdenker-Hirn nicht mit solchen Lappalien befassen möchte. Die Aussage wird ignoriert.

Dann meldet sich aber unser soziales Gewissen, dass den Dialog gerne aus Höflichkeit aufrecht erhalten möchte. Ohne Hilfe des restlichen Denkapparates, findet es hier aber keine gescheite Antwort.

Wir fühlen uns langsam und dumm.

Ich habe irgendwann für mich mein soziales Gewissen an dieser Stelle abgeschaltet und ignoriere Aussagen, die eine schnellen Schlagabtausch fordern.

Wenn in einer Situation vielleicht eine provozierende Bemerkung gemacht wird, atme ich in Ruhe aus und ein, was dazu führt, dass ein Stresslevel im Hirn keine kritische Masse erreicht und ich in Folge dessen klar denken kann. Daraufhin sortiere ich meine Gedanken und antworte meist nur mit einem unbeeindruckten «Okay.»

Dieses Vorgehen kann dazu führen, dass dein Gegenüber dich für unhöflich hält, das ist aber nicht dein Problem. Gerne kannst du ihm dann erwidern, dass du seine Aussage oder Absicht nicht verstehst.

Viele Schlagfertigkeitsbücher und -trainings setzen hier an der Stelle an, dass man sich 2-3 Standardsätze merken soll, die man in solchen Situationen immer vorbringen kann.

Diese Standardsätze soll man dann nach und nach erweitern.

Ich halte das aber für herumdoktern an Symptomen. (Und sehr, sehr paradox)

Das Kernproblem ist doch hier, zu denken, es ist ein Fehler, dass wir keine Sprüche zu jeder Zeit parat haben oder nicht schnell genug schalten, wenn wir uns plötzlich in ungewohnten Situationen wieder finden.

Es ist also unsere persönliche Sicht auf die Dinge.

Die Art, wie du das Problem betrachtest, ist das Problem.

Wenn du also lernst damit vollkommen okay zu sein, dass dein Hirn eine längere Leitung hat, weil du jemand bist, der gerne Tiefe und Qualität in seinen Gesprächen hat, wirst du auch lernen, dass du gespielte Schlagfertigkeit nicht nötig hast.

Wir sind schon Schlagfertig

Schlagfertigkeit beim Nachdenker zeigt sich durch Humor. In Gesprächen mit guten Freunden in lockerer Stimmung haben wir oft einiges beizutragen.

Hier bezieht sich unsere Schlagfertigkeit auf das Mit-, statt auf das Gegeneinander. Wir unterstützen die spaßige Äußerung unseres Freundes mit einer weiteren und meist tieferen Ansicht auf das Thema, wodurch selbst spaßige und lockere Gespräche unter zwei Nachdenkern eine unglaubliche Tiefe erhalten können.

Fazit

Akzeptiere, dass du für Gespräche eine gewisse Qualität brauchst, bevor du dich darauf einlassen kannst. Du musst nicht in jeder Situation schnell handeln. Gerade, wenn du das Gefühl hast, dass du das tun musst, ist es ratsam tief durchzuatmen und deine Gedanken zu sortieren, um dann zu sehen, ob dieses Gespräch oder diese Situation für dich überhaupt wertvoll ist.

Viel Spaß mit dieser Erkenntnis!

Dominik van Awe

Der Glaubenssatzzerstörer

«Wem du die Schuld gibst, dem gibst du die Macht über dich!», lautet seine Devise. Und das zeigt sich besonders in seinen intensiven und lebensverändernden Coachings und Workshops.
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3 Kommentare

  1. Thomas sagt:

    Grandioser Beitrag. Trifft bei mir ziermlich genau zu und spricht mir aus dem Herzen.

  2. Felix sagt:

    Jo guter Beitrag in welchem ich mich auch selbst wiedererkenne. Ich bin der Meinung, dass man oft einfach nichts darauf geben muss, dass man in dieser Situation wenn einem nichts einfällt vielleicht ein wenig Respekt vom gegenüber verliert. Letzendlich kann man die Grenze selbst ziehen und dem gegenüber auch einfach direkt sagen, wenn es zu weit geht.

  3. Chris sagt:

    Danke für diesen spannenden Artikel! Kann mich sehr gut mit dem Geschriebenen identifizieren! Ich habe noch nie so darüber nachgedacht, es ist aber plausibel und ich werde das auf jeden Fall mal ausprobieren :).

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