6 Minuten Lesezeit Dominik van Awe

Kennst Du diese Tage, an denen dein innerer Kritiker dich an der Leine hat?

Du hast Dir fest vorgenommen, heute so richtig Gas zu geben, und jede Frau, die Dir auch nur ansatzweise gefällt, sofort und ohne Zögern anzusprechen. Doch kaum erblickst Du ein hinreißendes Geschöpf, geht es in Deinem Kopf auch schon los:

„Ist jetzt überhaupt der richtige Augenblick? Ach nee, ich warte doch lieber noch etwas, zuerst muss ich ja noch unbedingt eine Hose kaufen/mir ein Bier an der Bar holen…“ usw.
Und ehe Du Dich versiehst, ist eine gute Gelegenheit an Dir vorbeigezogen und Du ärgerst Dich eventuell noch Stunden später darüber.
Ich bin auch heute noch manchmal überrascht, wie kreativ mein Ausredengenerator arbeiten kann – wenn ich denn lassen würde.

Der innere Kritiker in voller Fahrt

Denn viele Menschen machen den Fehler, der Stimme zu viel Gewicht beizumessen, die gerade in ihrem Kopf die lauteste ist. Im optimalen Fall ist diese positiv, und motiviert Dich dazu dass zu tun, was für Dich vorteilhaft ist. Viel zu oft legt sie Dir aber Steine auf dem Weg Deiner Entwicklung in den Weg.
Dieser Denkvorgang in Deinem Kopf wird im Jargon von NLP als „interner Dialog“ bezeichnet.

Du bist nicht Dein Verstand

Lassen wir uns mal auf ein kleines Gedankenexperiment ein: Was wäre wenn Du in Deinen Gedanken nicht nur eine Stimme hättest, sondern mehrere?
Damit meine ich natürlich keine gespaltene Persönlichkeit, sondern vielmehr Bestandteile Deines Selbst, die Du bislang noch nicht bewusst unterschieden hast.

Etwa einen Teil, der Dich in bedeutsamen Situationen zur Umsetzung Deiner Pläne bringt, einen, der Dich von einer schönen Zukunft träumen lässt oder eben auch einen Kritiker, der bei Dir für die eingangs beschriebenen Ausreden sorgt.
Und wahrscheinlich kennst Du schon einige Gelegenheiten, in denen mal der eine und mal der andere dabei die Oberhand hatte. Den mal ehrlich: Keiner von uns geht wirklich immer mit der für uns optimalen Einstellung durch die Welt…

Du bist aber in der Lage, nun mit dieser Erkenntnis zu arbeiten. Denn wenn es verschiedene Teile in Dir gibt: Welcher davon ist denn nun eigentlich im „Recht“, auf welchen „musst“ Du den hören?

Die Antwort ist ganz einfach: auf denjenigen, dem Du gerade dieses Recht dazu einräumst und dem Du vertraust!
Niemand hindert Dich daran, den Kritiker einfach mal zu ignorieren und Dich statt dessen zu fragen:

„Hey, was sagt denn mein innerer Träumer gerade dazu? Was kann denn eigentlich im allerbesten Fall passieren, wenn ich genau jetzt auf das süße Mädel zugehe und sie anspreche?“

Du siehst, dass Du den Gedanken in Deinem Kopf nicht hilflos ausgeliefert bist, sondern durchaus in der Lage diese (am Besten natürlich positiv!) zu beeinflussen.
Nicht einfach für Dich?

Ich könnte wetten, dass es ganz viele Gelegenheiten in Deinem Leben gibt, in denen Du Deinen internen Dialog heute schon durchaus „erfolgreich“ benutzt, um Dich deutlich negativ zu beeinflussen, indem Du Dir unvorteilhafte Worst Case-Szenarien ausmalst:

„Ich kann da jetzt nicht hingehen, sie wartet sicher auf ihren Freund und will eh nicht angesprochen werden… Ausserdem hab ich heute ein schwarzes Hemd an, das gefällt ihr garantiert nicht!“

Falls Dir das annähernd bekannt vorkommt: Warum sollte es denn dann nicht auch in die positive Richtung funktionieren…

Dich automatisch mit der Denkstrategie zu identifizieren, die Dir gerade so bequeme Ausreden liefert, mag zwar im Augenblick sehr gemütlich für Dich sein, ist auf lange Sicht für Deine Entwicklung aber kontraproduktiv!

So bekommst Du ihn unter Kontrolle

Folgende Schritte werden Dir dabei helfen, zukünftig Deine Gedanken aktiv auf Erfolg zu trimmen.

1. Respektiere alle Bestandteile Deiner Persönlichkeit.

Der angesprochene Kritiker, so wenig er Dir in einigen Situationen auch behilflich sein mag, hat durchaus eine wichtige Funktion in Deinem Leben: Er hilft Dir, frühzeitig Risiken zu entdecken und bewahrt Dich so vor ernsten Schäden psychischer oder physischer Natur (zur Erinnerung: ein Korb von einer süßen Frau führt nicht zu einem psysischen Schaden, sondern ist eine wertvolle Lernerfahrung für Dich!).

Sobald Du dies akzeptieren kannst, gewinnst Du einen wertvollen Verbündeten in ihm.
Unterstützen kannst Du den Prozess, indem Du Dir einige Situationen notierst, in denen Dich Dein Kritiker unterstützt hat (z.B. mag der Dir am Vorabend einer wichtigen Prüfung geraten haben, dass noch eine halbe Stunde Lernen gerade wichtiger ist als Deine Playstation anzuwerfen).

2. Welcher Teil von mir hat gerade das Sagen?

Beobachte bewusst Dein Verhalten in der nächsten Zeit und achte darauf, wann Dein Kritiker gerade wieder zuschlägt und Dich am Erreichen Deiner (Flirt-)Ziele hindert. Tritt dabei in die Rolle eines Außenstehenden und nimm wahr, welche Gedankengänge von ihm angestoßen werden. Die eingangs angesprochenen Ausreden beim Anblick einer hübschen Frau ist ein Beispiel dafür.

Dabei wirst Du wahrscheinlich feststellen, wie alleine durch das Einnehmen dieser Beobachterposition der Kritiker schon etwas an Schärfe und Bedeutung verliert.

3. Beeinflusse Deinen internen Dialog positiv.

Sobald Du merkst, dass Dein Kritiker gerade die Oberhand gewinnt, nimm ihn bewusst zur Seite, und sorge dafür, dass ein deutlich positiverer Teil Dich unterstützen kann, zum Beispiel Dein Träumer.
Falls das zuvor beschriebene Beobachten des Kritikers aus der 3. Person noch nicht ausreicht um ihn ruhig zu stellen, kannst Du dies mit folgenden kleinen aber feinen Ansätzen noch weiter unterstützen:

  • Stell Dir vor, Du hast einen Lautstärkeregler für Deinen Kritiker. Ganz egal, ob es sich dabei um einen Schiebe- oder einen Drehregler handelt, sobald Du ihn weiter Richtung „0“ bewegst, wird seine Stimme immer leiser und leiser, bis Du sie irgendwann gar nicht mehr hören kannst.
  • Verlangsame die Stimme: vergrößere die Abstände zwischen den Worten und ziehe die Vokale immer mehr in die Länge, bis sie irgendwann ganz zum Verstummen kommt.
  • Falls der Kritiker ganz schwer ruhigzustellen ist: Lass ihn ruhig weitermeckern, sorge aber dafür, dass sich seine Stimme anhört wie die von Donald Duck oder Micky Maus, eben ganz hoch und lächerlich. Wer kann solch einer Stimme denn noch Glauben schenken, Du doch sicher nicht, oder?

Damit hast Du dann Raum geschaffen, um Deine aktuelle Situation deutlich optimistischer beurteilen zu können und sie erfolgreich zu meistern. Im Beispiel aus der Einleitung könnte dies etwa so umformuliert werden: „Wow, die ist ja echt süß! Jetzt bin ich richtig gespannt, wie ihre Stimme klingt und wie sie mit einem Lächeln auf mich wirkt… Hm, welches Parfum sie wohl trägt? Am Besten gehe ich jetzt gleich hin und finde es heraus, damit mir ja kein anderer Typ zuvorkommt!“

Mal ehrlich: Das löst so formuliert in Dir schon ganz andere Gedankengänge, Gefühle und Assoziationen aus, oder?

Achte beim Umsetzen der Schritte darauf, dabei stets gut mit Dir selbst umzugehen, sieh es Dir nach, wenn es nicht auf Anhieb klappen will, denn dies ist eine neue Vorgehensweise für Dich, die mit jeder Verwendung einfacher für Dich werden wird. Oder konntest Du als Kind sofort Schuhe binden, nachdem es Dir ein Mal gezeigt wurde? Übung macht den Meister!

 



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