6 Minuten Lesezeit Dominik van Awe

Männer auf der Suche

– nach dem Liebhaber

Ein Archetyp ist ein Urbild eines Menschen und spiegelt Erfahrungen aus zehntausenden von Jahren Menschheits-Geschichte wider, die in jedem Individuum verborgen liegen und ausgelebt werden und entwickelt werden wollen.
Die Archetypen des Mannes, die jeder Mann im Laufe seines Lebens entwickeln sollte, um seine Männlichkeit voll zu entfalten und das Dasein als Mann wirklich auszuleben sind:

  1. Der Liebhaber
  2. Der Krieger
  3. Der König
  4. Der Magier

Zu jedem dieser vier Archetypen möchte ich in dieser kleinen Artikelreihe etwas erzählen und dir aufzeigen, wie auch DU dein volles Potential im jeweiligen Archetyp entwickeln kannst. Außerdem möchte ich dir zeigen, was passiert, wenn du es nicht tust oder einen essentiellen Punkt in der Entwicklung vernachlässigst.
Und gerade das kann sehr interessant für dich sein, wenn du gerade in einem oder mehrerer Bereiche deines Lebens einen kleinen Schmerz spürst.
Vielleicht hast du nicht den Erfolg bei Frauen, den du gerne hättest oder das Beförderungskarussell dreht sich schon wieder ohne dich

Jeder Archetyp hat individuelle Eigenschaften, hat seine positiven und negativen Ausprägungen und in der entwickelten Form eine goldene Mitte. Kein Archetyp ist daher gut oder schlecht. Sie sollten im besten Falle, alle in dir in einer integrierten Form vorliegen.

Zudem ist die Auflistung der jeweiligen Archetypen chronologisch angeordnet, so wie sich im jeweiligen Lebensabschnitt konzentrieren. Heißt: Du beginnst dein Leben in der Phase des Liebhabers und endest als Magier.
Auch bildlich gesehen macht dies Sinn. Ein Casanova ist eher ein Jüngling und ein Magier eher ein Gandalf der Graue/Weiße.
Hinzu kommt aber noch, dass jeder Mann einen oder kombiniert aus zweien Archetypen in sich trägt, der/die seinen Charakter ausmacht.
Das zeigt sich zum Beispiel dadurch, wie wir unsere Vorbilder wählen. Ein Krieger würde sich eher einen Muhammad Ali oder Michael Schumacher, als einen Mahatma Gandhi oder Mutter Theresa zum Vorbild nehmen, da diese Personen eher seinem Naturell des Kampfes entsprechen. Doch dazu später mehr.

Beginnen wir nun mit dem Liebhaber.

Der Archetyp: Liebhaber

Archetyp Liebhaber

Archetyp Liebhaber

Der Liebhaber ist nicht rein sexuell ein Liebhaber, sondern auch im Bezug auf Leben ein Liebhaber. Er hat einen „generellen Appetit“ aufs Leben.

not just sexual appetite but a general appetite for life.

Moore, Gillette

Daher befasst er sich mit allem fließendem und schönen. Er ist lebendig und leidenschaftlich. Sein Element ist das Wasser und seine Bezugsperson die Mutter. Er befasst sich also stark mit seiner weiblichen Seite und dessen Energie.
Viele Männer schaffen es nicht aus dieser Phase heraus und bleiben aus verschiedenen Gründen an der Mutter hängen. Jedoch sind sie sehr kommunikativ und kreativ und setzen diese Stärken ein, um anderen Menschen zu helfen oder zu dienen.
Der Liebhaber ist die erste Phase, die ein Mann in seinem Leben durchläuft. Mit einer Mutterfigur an der Seite bekommt er einen Eindruck von den schönen Dingen, die das Leben so bietet.
Dinge, wie Geborgenheit oder bedingungslose Liebe schaffen einen Raum, indem sich der Junge entfalten kann. Langsam entdeckt er hier auch seine Sexualität und seine Talente und Interessen. So kann es sein, dass Künste, Philosophien und das Verbinden von Gruppen sich nach und nach ausprägen.
Wird die Phase des Liebhabers nicht ausreichend ausgebildet, findet sich der Mann im Laufe seines Lebens immer wieder in Situationen, die er nicht „(emotional) greifen“ oder erklären kann. Meist sind diese Männer beruflich sehr weit gekommen und auf ihrem rationalen Gebiet sehr erfolgreich, jedoch haben sie keinen gesunden Zugang zu ihren Emotionen, weshalb es mit den Frauen nicht so klappt, wie sie es gerne hätten.
Entweder können sie keine Frau für sich interessieren und bleiben dann entweder lange alleine oder geben sich mit irgendeiner Frau zu frieden, um nicht alleine zu sein, oder aber, sie hechten von einer Frau zur nächsten, weil es ihnen schnell langweilig wird, haben neben ihrer Ehe unzählige Affären, jedoch keinen stabile Männerfreundschaften.

Handeln nach Emotionen

Der unreife Liebhaber handelt stets so, dass alles ihm gute Gefühle bereitet, was dazu führen kann, dass er im erwachsenen Alter keine negativen Situationen oder Konflikte aushalten oder erschaffen kann.
Zwei klassische Beispiel-Formen davon sind zum einen der Hedonist und zum anderen das Muttersöhnchen.
Jedoch kann der Liebhaber diese Energien auch für positive Zwecke nutzen als kreativer (Lebens-)Künstler oder emphatischer Gesprächspartner.

Der Hedonist

Der Hedonist braucht immer seine Schokoriegel, seine Flasche Cola oder stets eine Toilette in seiner Nähe, damit bloß nicht nur alle Bedürfnisse schnell befriedigt werden, sondern diese Befriedung noch einen Tick mehr Belohnung verschaffen. Das wird ebenfalls durch die auf seinem PC im Hintergrund immer geöffneten Pornoseiten deutlich.
Allerdings kommt ihm seine genießende Lebenseinstellung zu gute, denn der Hedonist sieht gar nicht ein etwas zu tun, was ihm keinen Spaß macht. Daher werden wir Hedonisten immer dort vorfinden, wo das Geld Verdienen nicht an erster Stelle steht. Sehr typisch sind hier die Bereiche des Langzeitstudenten oder des beruflichen Sohnes, welcher sich auch in der Art des Langzeitarbeitslosen widerspiegelt.
Um diese Form loszulassen, entwickle Selbstvertrauen durch diszipliniertes Verhalten. Halte einmal eine Woche ganz bewusst Hungergefühle, Bedürfnis nach Nähe oder Spaß oder einen Toilettendrang zurück. Auch auf die schnelle oder tägliche Masturbation sollte hier verzichtet werden, um deinen Körper frei von Süchten werden zu lassen.

Das Muttersöhnchen

Das Muttersöhnchen braucht die Nähe zu seiner Mutter in aktiver oder passiver Form. Das bedeutet, dass seine Mutter ihn stets so gut behütet hat, dass er im Extremfall keinen Schritt ohne sie machen möchte und gerne noch in ihrer Nähe wohnt oder im anderen Extrem alles tut, um nicht so ein „Unmensch“ zu sein, wie sie. Die Nähe wird in diesem Fall in der Form des Feindes gesucht, der ihn emotional näher steht, bzw. emotional mehr berührt als ein Freund.
Lies hier mehr zu diesem Thema und lass diesen Charakter hinter dir.

Der Künstler

Als Künstler oder Lebenskünstler zieht der Liebhaber seine guten Gefühle aus seiner Kreativität und seinem Erfindergeist. Er lebt in den Tag hinein und hat meist schon am 15. kein Geld mehr für die zweite Monatshälfte. Lange etwas planen ist nichts für ihn und sich festlegen auch nicht, weshalb er oftmals 4 verschiedenen Leuten versprochen hat an diesem Tag zu ihrem Geburtstag zu kommen. Sollte er es dann gebacken bekommen auf wenigstens einem zu erscheinen, kommt er als einer der Letzten und geht nach einer halben Stunde wieder, da er von einer anderen Party gehört hat.
Was ihn jedoch auszeichnet ist sein ansteckendes Lachen und die Fähigkeit in allen Situationen und Personen das gute zu sehen. Diese kindliche Naivität nehmen sich oftmals andere zum Vorbild, wenn es darum den Stress und den Alltag zu verdrängen. Dadurch, dass er heute nicht an morgen denkt, strahlt er eine unbändige Lebensfreude aus und zieht dadurch spielend andere Menschen in sein Leben.
Der Weg mit dem Künstler in sich umzugehen, ist neben der kreativen Art sich zu einem Sinn von Geschäften und einem Gefühl für Wert, bzw. Geld zu zwingen. Denn dadurch kann der Künstler wieder kreativ werden, indem er sich Gedanken und Ideen um seine kommende Zukunft machen kann, was seine Stärke potenziert und daraus ein „Potential“ wird.

Der Gesprächige

Der gesprächige Liebhaber liebt es, wenn das Gespräch läuft. Was er nicht liebt, sind Ergebnisse und Entscheidungen. Dadurch fühlt man sich unter vier Augen mit ihm sehr wohl und verstanden, da er von Natur aus emphatisch und aktiv Zuhören kann. Statt aber ein Gespräch auf eine Entscheidung zu führen, bringt er lieber noch weitere Argumente oder Gedanken ein, damit der Prozess des Tratschens und Quatschens weiter geht. Dies kann im weiteren Verlauf dazu führen, dass er sich in einem Narzissmus verliert und Lobpreisungen über sich oder seine Gruppe dichtet.
Für Frauen ist das direkt sehr sympathisch, da sie einen Mann vorfinden, der kreativ und gesellig ist, was der weiblichen Energie entspricht. Dies hat er besonders von seiner Mutter mitbekommen.
Jedoch führt dies dazu, dass seinen Worten eine gewisse Substanz fehlt und er oft als Plappermaul oder Quatschkopf angesehen wird. Diese fehlende Substanz macht sich auch in seiner Wendehalsigkeit bemerkbar, indem er sich nie wirklich auf eine Meinung festlegen kann und diese dann auch wieder schnell ändert.
Um diese extreme Gesprächigkeit abzulegen, muss der Liebhaber einige Kriegermerkmale lernen, um zu sehen, dass ein Mann nicht immer reden oder eine Stille füllen muss. Er lernt, dass jedes seiner Worte Gewicht haben sollte, um selbst ebenfalls als ein Mann mit Substanz wahrgenommen zu werden.

Die Stärke des Liebhabers

Als Liebhaber hat der Mann die Fähigkeit erlernt emphatisch und menschlich zu handeln. Ein unterentwickelter Liebhaber hat die Folge, dass der Mann im weiteren Verlauf seines Lebens sehr statisch oder unflexibel wird, kein Risiko eingeht oder keine neuen Erfahrungen machen will, oder gar einen sehr dogmatischen Lebensstil führt.
Als Liebhaber mit der Mutter als Bezugsperson gibt es die Möglichkeit zu rebellieren, wie wir das hoffentlich alle in unserer Pubertät fleißig getan haben. Wir haben rebelliert gegen Autoritäten, gegen unsere Eltern (speziell gegen den Vater) oder gegen das was wir alles machen sollen. Ohne diese rebellische Phase sieht der Liebhaber in uns keinen Grund sich aus seiner rosa Einhornwelt hinaus zu wagen und den Krieger in sich auszubilden. Dies führt bei vielen Männern dazu, dass sie sich in der Mitte ihres Lebens in einem Job wieder finden, der ihnen keinen Spaß macht, weil sie nie den ersten Schritt zum Krieger gemacht haben – nie ein Rebell gewesen sind, der leidenschaftlich seine Visionen und Ideale durchsetzen wollte.

schlagen Sie eine Delle ins Universum.

Steve Jobs

Ein König ohne rebellischen, leidenschaftlichen Liebhaber in sich verliert die emotionale Verbindung zu seinen Untergebenen, was im familiären Kontext die Kinder sein können. Ein Magier ohne Rebell wird pessimistisch und ein Menschenfeind – das sind dann diese älteren Leute, die dir mit einem Kissen auf der Fensterbank beim Einparken zu sehen und den ganzen Tag über die Jugend meckern.

Was kannst du jetzt tun, um deinen Liebhaber voll auszubilden?

1. Finde etwas, was dir Spaß macht

In meinen Coachings rate ich ganz oft meinen Teilnehmern, bei denen dieser Archetyp unterentwickelt ist, dass sie sich eine Kunst suchen und diese betreiben. Das hat den Vorteil, dass du etwas mit deinen Händen schaffst, was deine Gefühle zum Ausdruck bringt. Warum glaubst du sonst wohl, haben Musiker oder sonstige schaffende Künstler oft so einen Erfolg bei Frauen?
Sie haben gelernt ihre Emotionen auszudrücken und sind so zu einem sozialen Wesen geworden.

2. Finde einen Zugang zu deinem Körper

Viele Männer, die einen unterentwickelten Liebhaber in sich herumschleppen – darunter viele unserer Coachees – haben eine echt miserable Körpersprache.
Sie machen übertrieben-weibliche oder merkwürdig-starre Gesten, haben kein Rhythmus-Gefühl, können sich also auf der Tanzfläche nicht bewegen, gehen und stehen seltsam und/oder zeigen kaum Mimik.
Ich rate an dieser Stelle dann sehr oft zu folgender Reihefolge an Maßnahmen:

  1. Massagen, bis sämtliche Verspannung langfristig aus dem Körper verschwindet.
  2. Einen Standard-Tanzkurs besuchen, um zu merken, wie der Körper auf Rhythmen und Musik reagiert und sich dort auszuprobieren.
  3. Aerobic und/oder Yoga.
  4. Einen Impro-Kurs machen.

Begleitend kann auch eine Ergotherapie in Anspruch genommen werden.

 




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