5 Minuten Lesezeit Dominik van Awe

Mit Trauer umgehen lernen: Was ist, wenn du eine tolle Frau kennengelernt hast?

Wenn du mit dieser Frau eine tolle Zeit verbringst?

Und was ist, wenn sie plötzlich weg ist?

Das Ende einer Beziehung ist für viele Männer schwer zu verkraften. Männer verstehen in der Regel nicht, ob und was falsch gelaufen ist.

„Es war doch alles okay!“, sagen sie meist sehr verzweifelt und verwirrt.

Ich möchte hier nicht die Gründe beleuchten, warum sie gegangen ist. Ich möchte eine Anlaufstelle und einen Rat zur Trauer erteilen.

Es ist normal dem Ende einer Beziehung nachzutrauern. Für unser Gehirn ist es kein Unterschied, ob unser geliebter Mensch gestorben ist oder ob es sich lediglich getrennt hat. In beiden Fällen bleiben wir mit uns allein zurück.

Auch wenn du dich länger mit deiner Persönlichkeit beschäftigt haben solltest, ist es gut zu wissen, dass zu trauern vollkommen normal ist. Du brauchst dein Ego nicht besänftigen, indem du dir einredest, dass du doch so gut mit Frauen geworden bist und gar nicht trauern brauchst.

Wenn wir im Vergleich mit einem Verstorbenen bleiben, ist das so, als würdest du sagen: „Ich brauchen meinem Opa nicht nachzutrauern, es gibt noch andere Opas da draußen.“

Du siehst, das funktioniert also nicht.

 

Mit Trauer umgehen heißt, es ist okay zu weinen

Psychisch gesehen ist es sogar notwendig und heilend, wenn du deinen Frust ausweinen kannst.

In unseren Tränen, die wir aus Traurigkeit vergießen, ist ein Stoff enthalten, der unser Leid lindert, sobald er mit unseren Lippen in Berührung kommt.

Aber auch für unser geistiges Wohlbefinden ist es heilend zu weinen. Wir können den Druck loswerden, der sich schnell anstaut, wenn wir uns verlassen fühlen.

Wir winden uns in Selbstmitleid nach einer Trennung. Denken, dass wir nie wieder so etwas haben werden. Die Welt scheint ein ganz anderer Ort zu sein.

Und auch das alles ist okay!

Jedes Gefühl, das in dir hochkommt hat seine Berechtigung. Es ist okay zu trauern.

Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass wir nach einer gewissen Zeit (ca. 14 Tage) nicht mehr Trauer empfinden, bzw. dürfen wir diese nicht mehr nach Außen tragen.

Die Geduld unserer Freunde nimmt ab. Sie sagen, dass wir uns doch nun mal wieder aufraffen sollten. Andere Mütter haben schließlich auch schöne Töchter. Und wenn sie nicht sieht, was für ein toller Mensch wir sind, dann ist ihr auch nicht mehr zu helfen.

„Bla, bla, bla!“, denkt sich hier jeder Trauernde und fühlt sich nicht mehr ernst genommen.

Die Gefühle der Trauer sind seine Realität. Er fühlt nicht nur Leere – Er ist leer. Er fühlt sich nicht nur verlassen – Er ist verlassen. Er fühlt sich nicht nur wertlos – Er ist wertlos.

In seiner Welt ist alles absolut.

Wagen wir es doch nach dieser gewissen Zeit weiter zu trauern, so rät man uns psychologische Behandlung. Doch das ist nicht nötig.

Trauer ist ein Prozess der Verarbeitung und diese Bedarf je nach Person und Geschehnis seine individuelle Zeit.

 

Die Phasen der Trauer

Weil Trauer ein Prozess ist, kann man sie in Phasen untergliedern.

  1. Leugnen

Als Trauernde glauben wir nicht, dass der Partner plötzlich fort ist. Wir wollen es nicht so ganz wahrhaben und in Gedanken spielen wir Situationen und Gespräche durch, mit denen wir den Verlasser wieder zurückholen wollen.

Diese Phase kann von wenigen Stunden bis zu einigen Wochen dauern.

  1. Sehnsucht

Wir glauben unseren Partner überall zu sehen.

Das Mädchen, das da 200 Meter vor uns läuft, könnte sie doch sein!  Wir hören ihre Stimme überall und Dinge in unserer Wohnung erinnern uns an sie. Gleichzeitig sind wir wütend. Auf uns. Auf sie. Einfach auf alles. Wir wollen nicht akzeptieren, dass sie weg ist. Solange wir diese Wut empfinden, sind wir noch nicht über den Verlust hinweg.

  1. Verzweiflung

Wir durchleben einen Regenbogen an Gefühlen. In einem Moment scheint alles okay, im nächsten kommt ein dumpfer Schmerz hinzu, daraufhin werden wir wieder wütend, wir haben Angst, sind verzweifelt, fühlen uns alleingelassen, können uns wieder aufraffen, um im nächsten Moment wieder diesen Schmerz zu fühlen.

Wer das schon einmal erlebt hat, weiß, dass es schwer ist, dieses Chaos auszuhalten. Wir wollen diesen Schmerz betäuben und suchen Ablenkung in Dingen, wie Arbeit, Alkohol oder Exzessen, doch diese Ablenkung kann der Depression die Tür öffnen.

Es ist wichtig dieses Chaos aushalten zu können. Schließlich ist es das erste Mal, dass wir diese Intensität des Schmerzes spüren.

Hast du dich schon mal gefragt, warum Kleinkinder so schnell weinen?

Weil jede Art der negativen Emotion oder Erfahrung für sie in dieser individuellen Intensität die Erste ist. Sie haben noch nicht gelernt damit umzugehen.

Jetzt ist es aber an dir. Willst du lernen mit diesem Schmerz umzugehen oder willst du ihn betäuben und beim nächsten Mal vielleicht noch krasser Leiden?

  1. Neustart

Wir haben den Schmerz überwunden. Zeit ist verstrichen und wir sind in der Lage, wieder organisiert zu denken. So langsam können wir den Verlust akzeptieren. Wir akzeptieren, dass sie weg ist und wir akzeptieren sogar, dass sie eine neue Beziehung begonnen hat.

Allmählich können wir ihr vergeben, für das, was sie „uns angetan“ hat. Es tut jeden Tag weniger weh an sie zu denken. Bis wir sie irgendwann vergessen haben. Diese Phase kann Jahre dauern.

 

Leide ich an Depression?

Trauer und Depression haben ähnliche Symptome. Sie reichen von Schlafstörungen und Appetitlosigkeit zu Antriebslosigkeit und dem Verlust der Konzentrationsfähigkeit.

Ein Mensch in Trauer kann aber in seiner Trauer auch gute Tage haben und sogar große Freude empfinden und über witzige Situationen, Dinge, Filme lachen.

In einer Depression ist das Gefühl der Leere und die Verzweiflung ein ständiger Begleiter.

 

„Ein Melancholiker zeigt eine außerordentliche Herabsetzung seines Ichgefühls, eine großartige Ichverarmung. Bei der Trauer ist die Welt arm und leer geworden, bei der Melancholie ist es das Ich selbst.“

– S. Freud

Einige weitere Symptome, die auf eine Depression schließen können sind:

  • intensive Schuldgefühle
  • Unfähigkeit zu Arbeiten
  • Arten von Halluzinationen
  • Gefühle der Wertlosigkeit
  • Langsame Sprech- und Bewegungsweise
  • Suizidgedanken

Solltest du dich an dieser Stelle wiederfinden, dann suche dir bitte Hilfe.

 

Auch wenn du gerade nicht glaubst, dass deine Trauer jemals vorbeigeht und sich dein Leid gerade auch irgendwie gut anfühlt, weißt du aber auch, dass du sie irgendwann überwunden haben wirst.

Gehe dafür wieder unter Menschen, triff dich mit deinen Freunden und Frauen, mache Dinge, die dir Spaß machen und erlaube dir zu Lachen, auch wenn du noch traurig bist.

Viel Erfolg dabei!




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