9 Minuten Lesezeit Dominik van Awe

Häufige Diskussionen sind die beste Garantie, deine Beziehung im Handumdrehen aufs Spiel zu setzen. Damit du nicht täglich an Anziehung durch dein unmännliches Verhalten verlierst, erfährst du, wie du in deiner Beziehung für dich richtig einstehst.

Nach einer wahren Begebenheit

Ich traf diesen Sommer an der Bar im Beach-Bereich eines Clubs einen ehemals guten Freund wieder, den ich seit Jahren nicht gesehen hatte. Nachdem wir uns ganz ausgelassen begrüßten, quatschten wir ein wenig über dies und jenes. Natürlich kamen wir auch darauf zu sprechen, dass er jetzt auch in festen Händen sei und ich fragte ihn, ob denn seine Freundin ebenfalls heute Abend hier sei. In dem Moment stellte sie sich schon zu uns.

«Wo bleibst du denn solange mit meinem Bier?», keifte sie ihn an.

«Entschuldige bitte, Schatz. Ich hab mich verquatscht. Das ist Dominik. Ein alter Freund.», stotterte er zurück.

«Muss ich mir jetzt mein Bier selber holen, oder was?», keifte sie weiter, ohne mich zu beachten.

Ich kürze diese Szene hier einmal ab, denn es ist hoffentlich klar geworden, was hier los war. Im Laufe des Abends bekam ich immer mehr dieser Auswürfe zu sehen und hören. Mein Bekannter tat mir hier sehr Leid und ich fragte ihn in einer ruhigen Minute, warum er denn nicht mal auf den Tisch haue und ihr sagt, dass sie so nicht mit ihm reden darf.

«Hab ich schon mal. Dann ist es für zwei Tage gut und dann gehts wieder von vorne los.»

Zu viele Männer lassen sich zu viel nicht nur von Frauen, sondern allgemein von Kollegen, Freunden, Unternehmen, usw. gefallen, weil sie meinen, dass ihre eigenen Gedanken und ihr Glaube, wie die Welt funktioniert nicht der richtige sein kann, sondern immer die Welt der anderen ist die richtige.

2. Du bist für dich selbst verantwortlich

Sowohl mein Bekannter, der sich von seiner Freundin hat herumschubsen lassen, als auch seine Freundin haben nicht begriffen, dass sie für sich und ihr eigenes Glück selbst verantwortlich sind. 

Warum konnte er ihr nicht in dem Moment sagen, dass sie so nicht mit ihm reden darf?

Und wie kam es nur soweit, dass sie es überhaupt wagt allgemein so mit anderen Leuten zu sprechen? 

Wovor hast DU Angst, wenn eine Frau schlecht oder abweisend auf dich reagiert, wenn du sie ansprichst? 

Jedes Problem, dass wir mit uns und zwischenmenschlich haben, ist ein Problem mit unserem Selbstwertgefühl. Ist dieses niedrig, lass wir uns herumschubsen, unterdrücken und entschuldigen uns im schlimmsten Fall sogar noch dafür. 

Ich habe Männer beobachtet, die eine Frau ansprechen und mit eingekniffenem Schwanz wieder abziehen, weil diese schlecht auf sie reagiert hat. Statt a) es direkt anzusprechen, warum sie denn glaubt, so mit ihm reden zu müssen oder b) es zu überhören und einfach gute Laune zuhaben.

3. Diskussionen und andere Streitthemen

Der Satz «Wir haben uns gestritten» ist ein Oxymoron.

WIR können gar nicht streiten. Es streitet sich nämlich immer nur einer von beiden.

Nämlich der, der gerade mit etwas unzufrieden ist.

Wenn das dem anderen aber egal ist, rutscht dieser nicht in die Emotion und so lässt nur einer von beiden seinen Frust ab. 

Steigt der andere auf diese Emotion mit ein und bringt seine eigenen Argumente vor, haben wir eine Diskussion. 

Ein «Streit» kann mal ganz nützlich sein, um angestaute negative Emotionen loszuwerden.

Als wahrer Mann lässt du es danach auf sich beruhen, denn du weißt, dass es okay ist, seinem Ärger Luft zu machen, andere Leute evtl. sogar dafür zu beschuldigen (auch wenn du damit Verantwortung abgibst), aber dann ist es auch wieder gut.

Ein Mann kennt kein nachtragendes Verhalten.

Wenn aber eine Frau irgendetwas sagen kann, was DICH aus der RUHE bringt, dann schau doch mal, warum das so ist.

Und dann schrei sie bitte nicht ebenfalls an, nur weil du noch ein Thema mit deinem Selbstwert hast. 

Es gibt aber diese Männer, die diskutieren mit Frauen und die überhäufen sie mit logischen Argumenten. Ich sage nicht, dass Diskussionen etwas schlimmes oder dass logische Argumente falsch wären.

Es macht einfach nur keinen Sinn!

Die Veganer und Vegetarier werden das kennen.

Da entbrennen täglich Debatten darüber, wie einseitig und ungesund doch ihre Ernährung sei, usw. Ich habe allerdings festgestellt, dass Veganer und Vegetarier meist als „Sieger“ aus diesen Diskussionen hervorgehen, da sie sich einfach mehr mit dem Thema Ernährung beschäftigt haben, als der Otto-Normal-Esser.

Den Sieger habe ich bewusst in Anführungszeichen gesetzt, denn jemand, der als dieser aus einer Diskussion hervortritt, hat zwar den Schlagabtausch gewonnen, jedoch einiges an Sympathie eingebüßt.

Du siehst hier vielleicht schon, dass Diskussionen nichts bringen.

Jemanden seinen Willen oder seinen Glauben aufzuzwingen, fruchtet selten.

Jemanden zu missionieren, weil man selber es doch soviel besser weiß, bringt einfach nichts.

Dies erkläre ich auch Männern in meinen Coachings, jedoch höre ich oft von diesen Männern den Satzanfang „Aber sie hat doch gesagt, …“

Es ist ja schön und gut, was du dazu so sagst, Dominik. Aber diesmal haben wir uns wirklich gezankt. Was soll ich jetzt tun?

Den ersten Fehler hast du schon begangen, indem du dich auf eine Diskussion eingelassen hast.

Damit hast du deine Macht als Mann abgegeben und ihre unkontrollierte Emotion aufgenommen.

Du hast sie sogar dafür bestätigt, dass es richtig ist so zu handeln, indem du ihr das gute Gefühl gegeben hast, dich darauf einzulassen.

Sie fühlt sich dadurch bestätigt, dass sie richtig handelt und ihr Weltbild das Richtige sei.

Dies ist der zweite Fehler. Ich sage nicht, dass ihr Weltbild das Falsche und deines das Richtige ist, sondern, dass es sich hier generell um ein Problem handelt, welches du in den Griff bekommen musst:

„Ich bevorzuge Harmonie“

Wir haben es hier mit einer Art des Nice Guy-Verhaltens zu tun, es jedem Recht machen zu wollen. Jemand, der sich nämlich in Diskussionen verstrickt und zwar anderer Meinung ist, gibt der Diskussion Macht.

Du kannst nicht zu einer Sache Nein sagen, ohne auch gleichzeitig Ja zu ihr zu sagen.

Lässt du dich auf eine Diskussion ein, dann schenkst du dem Thema zu viel Aufmerksamkeit. Die Königsdisziplin der Emotionen ist aber die Gleichgültigkeit.

Einer meiner besten Kumpels verkauft unter anderem fantastische chilenische Walnüsse auf dem Wochenmarkt.

Jemand, der nicht weiß, dass die Chilenen Walnüsse sehr gut können, der wird entweder angewidert weggehen („Aus Chile??? Die können ja nichts sein!!!) oder er wird sagen, dass die kalifornischen, deutschen, französischen, ungarischen, usw. Walnüsse die besten sind. (Es gibt natürlich auch aufgeschlossene Menschen, die diese Nüsse gerne mal probieren.)

Statt aber eine Diskussion mit diesen Menschen anzufangen und sie für die chilenischen Walnüsse zu missionieren, sagt mein Kumpel einfach nur:

„Okay.“

Es kümmert ihn nicht, weil er die Nüsse sowieso los wird und er denkt sich: „Wer nicht will, der hat schon.“

Damit sage ich aber nicht, dass du nicht deine Interessen durchsetzen sollst, oder aufmerksam ihre Bedürfnisse für wichtig nehmen solltest!

Viele Männer versuchen die emotionalen Ausbrüche ihre Mitmenschen oder Freundin zu besänftigen, in dem sie ihr Geschenke machen oder sich bei ihr entschuldigen. Und das obwohl sie nicht mal genau wissen, was sie „getan haben“.

Hier geben wieder beide Seite ihre Verantwortung für sich selbst ab.

Genauso, wie bei meinem weichgespülten Bekannten und seiner zickigen Freundin.

Wenn du einen anderen Menschen brauchst, um glücklich, komplett, nicht alleine oder was auch immer zu sein, dann ist das ganz schön scheiße gelaufen, was? Dann hast du hier und da zu viel mit dir machen lassen.

4. DU hast die Kontrolle

Kein Mensch kann dir schlechte Gefühle machen.

Das machst du alles selbst. Es ist deine Interpretation einer Situation.

Wenn ein kleines Mädchen auf dem Spielplatz dich anschreit, warum du denn schon wieder den Müll vergessen hast herunterzubringen, wird dich das vielleicht nicht groß tangieren.

Tut dies aber deine Freundin, ist wieder Holland in Not.

Derselbe Satz, dieselbe Lautstärke, dieselbe Intention dahinter.

Jedoch lässt es dich das eine Mal kalt und das andere Mal denkst du wieder mal, dass du ein Nichtsnutz wärst.

Dies ist aber jeweils nur deine Interpretation des Kontextes.

Schallwellen können dir keine Gefühle machen.

Sie übertragen keine Hormone, die sich in deinem Körper manifestieren und dich schlecht fühlen lassen.

Mach dir das doch einmal bewusst.

Glaubst du, es interessiert den Mond, wenn ein Hund ihn anbellt?

Genauso gilt es für dich mit negativen Emotionen umzugehen.

Was eine Frau sagt und was sie meint, sind nicht nur zwei verschiedene Paar Schuhe, es sind sogar komplett verschiedene Kleidungsstücke.

Und wenn wir noch dazu nehmen, was eine Frau denkt, dann müssen wir das ganze noch auf verschiedene Schränke verteilen.

Solltest du dich das nächste mal mit einer Frau streiten, kannst du davon ausgehen, dass Du die Frau als wahre Frau vor Dir hast.

Alle männlichen Komponenten in ihr sind ausgeschaltet und vor Dir steht ein emotional geladenes kleines Mädchen.

Der Fehler ist, ihre Worte hier zu ernst zu nehmen.

Würdest Du ein kleines zehn jähriges Mädchen mit Zöpfen in den Haaren und Puppe in der Hand ernst nehmen, wenn sie Dich genauso ankeift?
Vermutlich nicht. Es steht in diesem Moment aber genauso dieses Mädchen vor Dir.

Mach Dir doch einen Spaß daraus und ärger sie noch ein bisschen. („Warum wirste denn so rot?“, „Du hast mich angespuckt.“) Sie wird noch wütender werden, aber mach ihr doch das Geschenk und gib ihr diese Emotionen.

Nochmal, Männer: Es scheint meist, dass eine Frau gerade mit euch etwas ausdiskutieren will oder eure Argumente hören möchte. Aber es scheint nur so.Sie ist in dem Moment nicht in ihrer männlichen (rationalen) Seite, sondern in ihrer weiblichen (emotionalen). Und da gehört sie auch hin.

Sie will nur ihren Emotionen Luft verschaffen. Ein bisschen quatschen.

Mädchen quatschen den ganzen Tag. Über alles.
Alles?
Ja, alles!

Lässt du dich auf eine Diskussion ein, hast du nur einen anderen Typen vor dir. Sie wird dich in dem Moment nicht als Mann sehen können. Das ärgert sie noch weiter (negativ), womit du deine männliche Macht abgibst.

Du führst nicht mehr. Ihre weibliche Energie hat kein Gefäß, was sie hält.

Was ihr Grenzen aufstellt.
Nimmst du sie allerdings nicht ernst, sondern gießt noch Öl ins Feuer, demonstrierst du Unabhängigkeit von ihr, männliche Macht, Ausgeglichenheit, Stärke.

Dominant zu sein und führen zu können, ist nicht schwer und man kann es lernen.

Wichtig ist dabei zu wissen, was Dir gefällt, was Dir gut tut und was Dir Spaß macht.

Wenn du eine Frau mit in diese, deine Welt einlädst, hast du schon die halbe Miete.

Denn, wenn ihr deine Welt nicht gefällt, garantier ich dir, dass diese Frau sowieso nix für dich gewesen wäre.
Also lass ihr immer die Möglichkeit zu gehen.

Eine Frau soll ruhig das Gefühl haben, dass sie gehen kann wann sie will. Das ist wieder kontra-intuitiv. Hat sie dieses Gefühl, wird sie lange bei dir bleiben.



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